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Prinzessin von Sibirien

Rezension von: Roland Bathon
Mit einer der bekanntesten Frauengestalten des 19. Jahrhunderts in Russland befasst sich ein soeben neu aufgelegte Werk von Christine Sutherland. Unter dem Titel "Die Prinzessin von Sibirien" präsentiert sie die bewegende Biographie der Dekrabristen-Gattin Maria Wolkonskaja, die nach dem Scheitern des ersten Aufstands gegen das Zarentum ihrem Mann freiwillig in die Verbannung folgte.

Nach dem Krieg gegen Napoleon hoffen viele liberal gesinnte Adelige und Bürgerliche in Russland auf eine politischer Erneuerung. Sie werden von den Zaren tief enttäuscht, die die zum Teil mittelalterlichen Zustände im Land aufrecht erhalten. Bald bilden sich Geheimbünde gegen die Autokratie. Als der alte Zar stirbt und Thronwirren die Folge sind, führen die Dekabristen genannten Oppositionellen einen schlecht geplanten Aufstand durch, der schnell niedergeschlagen wird. Alle Anführer der Revolte werden entweder hingerichtet oder zur Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt.

Das ist das Rahmengeschehen, in dem die Offizierstochter Maria Rajewskaja ihre Jugend verbringt. Für Politik interessiert sie sich zu Beginn kaum, was unter Frauen des frühen 19. Jahrhunderts auch nicht gefördert wird. Sie heiratet den Fürsten Wolkonski, der aus dem engen Umfeld der Zarenfamilie stammt und hat damit das geschafft, was man zu dieser Zeit von Frauen erwartete, eine "gute Partie".

Doch der liberal gesinnte Fürst ist einer der Drahtzieher des Dekabristenaufstands und als die zwanzigjährige Maria gerade wegen der Geburt ihres ersten Kindes im Wochenbett liegt, wird dieser verhaftet, abgeurteilt und nach Sibirien deportiert. Hier bricht Maria aus dem von ihrem Umfeld gewollten Rollenverhalten aus. Während ihre Familie alles tut, um das zu verhindern, folgt sie ihrem Mann, dem alle Titel aberkannt werden, freiwillig nach Sibirien. Sie setzt sich gegen alle Widerstände durch, den Verlust ihres Reichtums, die aufgezwungene Trennung von ihrem Kind, das sie nicht begleiten darf und das Verbot der Rückkehr, das vom Staat verhängt wird.

Unter ärmlichen Verhältnissen lebt sie hinter dem Baikalsee und beweist hier ihre Stärke. Sie wird zum Bindeglied zwischen den Verbannten und ihren Familien, organisiert deren Versorgung und versucht unter widrigen Verhältnissen das familäre Glück mit dem ehemaligen Fürsten aufrecht zu erhalten. Als die Haftbedingungen gelockert werden, zieht sie mit dem Mann nach Irkutsk und wird dort zu einer in der ganzen Stadt geachteten Förderin der Armen und der Kultur. Ein Waisenhaus, eine verbesserte Grundschulausbildung und die Irkutsker Konzerthalle gehen maßgeblich auf ihr Engagement zurück.

Hierbei muss sie manchen Schicksalsschlag hinnehmen. Zwei ihrer vier Kinder sterben vor dem Erwachsenwerden, das sibirische Klima greift ihre Gesundheit an und die Bürokratie legt der sanften Kämpferin manchen Stein in den Weg. Ihr Mann, der gefallene Fürst, verliert seinen Stolz, lässt sich gehen und beide entfremden sich jahrelang voneinander. Dennoch kämpft sie sich durch ihr Leben und erhält den inoffiziellen Titel, der zur überschrift der deutschsprachigen Ausgabe ihrer Biographie wurde. Erst fünfundzwanzig Jahre nach dem Aufstand darf sie im Rahmen einer Amnestie in das europäische Russland zurückkehren.

Maria Wolkonskajas Leben ist in der Tat eine au├čergewöhnliche Biographie und die Autorin Christine Sutherland entpuppt sich durch ihr Werk als echte Kennerin der Fürstin und ihres Umfelds im frühen und mittleren 19. Jahrhundert. Umfangreiche Recherchen von Rom bis Sibirien hat sie mit vielen Nachkommen der Verbannten zusammen geführt und so ein lebendiges Bild des Geschehens geschaffen. Für Interessierte an russischer Geschichte, historischen Biographien oder insbesondere dem Dekabristenaufstand ist ihr Werk eine echte Leseempfehlung. Dass das Buch, das 1984 in den USA erschienen ist, nun im Januar 2010 in Deutschland neu aufgelegt wird, ist das deshalb kein Wunder.

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Daten zum Buch: Christine Sutherland, Die Prinzessin von Sibirien, Maria Wolkonskaja und ihre Zeit, List Verlag Berlin 2010, ISBN 978-3548609300

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